Skip to content

Nudging? Nein danke!

Politiker sollten nicht gegenüber mündigen Bürgern die Methode Nudging[?] anwenden, wenn sie mit dem "Dicken Ende" nicht zurecht kommen und es deshalb hinauszögern.

Manfred Wondrak erklärt auf Anti-Bias Nugding, einen Begriff aus der Verhaltensökonomik.

Eigentlich sollten entsprechende Techniken ja für Positives eingesetzt werden. Aber damit ist in der "freien Marktwirtschaft" eher nicht der Kunde sondern der Handel gemeint. Wer jedoch mit Einkaufsliste los geht; wer weiß, dass er sich nach günstigen Produkten bücken und an teuren vorbei zwängen muss; wer sich informiert, welche identischen Produkte unterschiedlicher Marken von ein- und demselben Hersteller stammen, dem kann Nudging[?] nicht viel anhaben. - Im Gegenteil, man bleibt wachsam(er).

Anders sieht das in der Politik aus, besonders, wenn Nudging nicht korrekt angewendet wird. Wenn Transparenz fehlt, wenn einem keine wirkliche Wahl gelassen wird, wenn Verordnungen erlassen, Strafen festgelegt und Menschen zum Denunzieren ermuntert werden.

Dass Nudging bei mir nicht gut funktioniert, sondern das Gegenteil bewirkte, erwähnte ich im Zusammenhang mit Rauchen. Anstatt vom Rauchen abzuhalten, wurde durch unverantwortliche Übertreibung der Nocebo-Effekt ausgelöst und ich glaubte, lebenslang von Tabakzigaretten abhängig zu sein.

Bekannt wurde 2014 das Stellenangebot an drei Referenten der Bundeskanzlerin, um neue Methoden der Verhaltensökonomie für „wirksames Regieren“ zu erproben.

Als die Politiker dieses Jahr wegen Corona plötzlich gravierend unsere Freiheit einschränkten, erschienen sehr schnell Artikel im Internet im Zusammenhang mit Nudging. Beispielsweise zeigte die Ernährungsumschau oder der Kurier und swiss-economics säuberlich, welche Maßnahmen der sog. Hygiene-Konzepte dem Nudging zuzuordnen sind.
Phase Grün bezieht sogar mit ein, mit welchen Angeboten das Zuhausebleiben attraktiver gemacht wird und gibt immerhin zu bedenken:

"Nudging soll Menschen in die richtige Richtung stupsen. Doch wer entscheidet, was erwünscht ist und was die “bessere” oder “richtige” Alternative ist?"

Erich Kirchler stellte bei der Universität Wien fest "Wir befinden uns in einem 'sozialen Dilemma'". Er kommt zum Schluss auf den sogenannten "sogenannten Rückschaufehler" zu sprechen.

"Was uns heute als notwendige Maßnahmen zum Schutz der Menschen erscheint, wird dann nicht als Selbstverständlichkeit erinnert werden. Wir werden nach Schuldigen suchen ..."

Das wird wohl der Grund sein, warum die Politiker den Wahnsinn nicht endlich stoppen.

Bereits im März sagte Dr. Wolfgang Wordarg zu Jens Lehrich:

"Ich denke, für Politiker, die sich jetzt so weit aus dem Fenster gelehnt haben, wird es unheimlich schwer sein, ... und ich überlege schon 'wie kann man es schaffen, dass die Menschen, die ja sonst zum Teil gute Politik machen, die aber jetzt da auch mitmachen, wie kann man es schaffen, dass die da raus kommen, ohne ihr Gesicht zu verlieren'. - Ich weiß es nicht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die alle beiseite gewischt werden durch irgendeine Bewegung oder sowas. Das wäre ja völliger Wahnsinn. Da sind ja auch fähige, gute Leute dabei. Irgendwie muss man es schaffen, dass dann der Kurswechsel geschieht ohne Gesichtsverlust."

(ca. ab 22. Minute) Im Dt. Bundestag sagte der Bundesheitsminister für Gesundheit Jens Spahn einen Monat später selbst:

"(...) das will ich auch grundsätzlich zu anderen Debatten, etwa auch gerade zur Maske und anderem sagen, dass wir nämlich miteinander in ein paar Monaten wahrscheinlich viel werden verzeihen müssen" (Protokoll S. 23)

.

Im August orakelt Cüneyt Yilmaz, wenn auch aus anderen Gründen, in den dt. Wirtschaftsnachrichten:

"Corona-Fehlalarm? Wenn die Bundesregierung sich geirrt hat, wird sie 'stürzen'"

Neben den Masken, den Abstandsregeln usw. tragen natürlich insbesondere die Medien ganz entscheidend zum Nudging bei. Und hier liegt ein gravierender Denkfehler vor. Eine Bundeskanzlerin, die noch 2013 zur Lachnummer wurde, als sie das Internet als "Neuland" bezeichnete, hat sich verkalkuliert. Es gibt immer mehr Menschen, die sich auch bei freien Medien informieren und die nicht still halten, bis der Rückschaufehler eintritt. Die schon lange das Treiben durchschauen und kritisieren.

Entweder kann das Virus unterscheiden, ob es einen Politiker oder einen Normalsterblichen vor sich hat, oder die Einschränkungen sind nur Nudging. Nicolas Riedl jedenfalls stellt im Rubikon fest: Die Maske fällt.

Wäre die Lage jetzt nicht so extrem ernst, würde ich gerne enden mit einem flappsigen:

"Es bleibt spannend."

Tatsächlich ist es keine wohlige Spannung, was sich in den nächsten Tagen wohl ereignen wird - möge es zu guten Entscheidungen kommen.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Markdown-Formatierung erlaubt
Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Formular-Optionen